Die jährliche Inspektion der Heizungsanlage ist obligatorisch, doch oft endet der Service, bevor das System wirklich effizient läuft. Viele Hausbesitzer wissen nicht, dass sie die Heizkurve richtig einstellen nach der Wartung müssen, um das volle Potenzial ihrer Heizung auszuschöpfen. In diesem Artikel erklären wir, warum dieser Schritt so wichtig ist und wie Sie ihn durchführen.
Was ist die Heizkurve eigentlich?
Die Heizkurve (oder Heizkennlinie) beschreibt das Verhältnis zwischen der Außentemperatur und der Vorlauftemperatur des Heizkessels. Vereinfacht gesagt: Je kälter es draußen ist, desto heißer muss das Wasser sein, das durch Ihre Heizkörper fließt, um die gewünschte Raumtemperatur zu halten.
Eine falsch eingestellte Kurve führt zu zwei Problemen:
- Zu flach: Das Haus wird an sehr kalten Tagen nicht warm genug.
- Zu steil: Das Wasser wird unnötig stark erhitzt, was Energie verschwendet und die Kosten in die Höhe treibt.
Warum ist die Einstellung nach der Wartung notwendig?
Bei einer Wartung werden oft Komponenten gereinigt, ausgetauscht oder die Regelungselektronik zurückgesetzt. Werkseinstellungen sind jedoch selten optimal für Ihr individuelles Gebäude. Faktoren wie Dämmung, Fensterqualität und persönliches Wärmeempfinden kennt die Werkseinstellung nicht. Daher ist es entscheidend, die Heizkurve richtig einstellen nach der Wartung, um den Betrieb wieder an die realen Bedingungen anzupassen.
Die wichtigsten Parameter: Neigung und Niveau
Um die Heizkennlinie zu verstehen, müssen Sie zwei Begriffe kennen:
- Neigung (Steilheit): Sie bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur bei sinkender Außentemperatur ansteigt. Bei schlecht gedämmten Altbauten ist die Neigung steiler (z.B. 1,4 bis 1,6), bei modernen Neubauten flacher (z.B. 0,4 bis 0,6).
- Niveau (Parallelverschiebung): Dies verschiebt die gesamte Kurve nach oben oder unten. Das ist sinnvoll, wenn es in der Übergangszeit (Frühling/Herbst) zu kühl oder zu warm im Haus ist.
Anleitung: Heizkurve richtig einstellen nach der Wartung
Folgen Sie diesen Schritten, um Ihre Heizung optimal zu justieren. Bitte beachten Sie, dass dieser Prozess Geduld erfordert und über mehrere Tage erfolgen sollte.
- Thermostate voll aufdrehen: Öffnen Sie die Thermostatventile in den Referenzräumen (meist Wohnzimmer) vollständig. Nur so merken Sie, ob die Wärmeleistung der Anlage passt oder vom Thermostat abgewürgt wird.
- Außentemperaturen beachten: Ideal für die Einstellung der Neigung sind Temperaturen unter 5 °C. Für das Niveau eignen sich Temperaturen zwischen 5 °C und 15 °C.
- Beobachten und Anpassen:
- Ist es im Haus zu warm? Senken Sie die Neigung oder das Niveau schrittweise.
- Ist es zu kalt? Erhöhen Sie die Werte vorsichtig.
- Ändern Sie die Werte immer nur in kleinen Schritten (z.B. 0,1 Schritte).
- Wartezeit: Geben Sie dem System 24 Stunden Zeit, um auf die Änderung zu reagieren, bevor Sie erneut nachjustieren.
Wichtig: Wenn Sie die Heizkurve richtig einstellen nach der Wartung, dokumentieren Sie Ihre Änderungen. So können Sie bei Fehlversuchen jederzeit zum Ausgangspunkt zurückkehren.
Typische Fehler vermeiden
Ein häufiger Fehler ist das Verwechseln von Ursache und Wirkung. Wenn einzelne Räume nicht warm werden, liegt es oft nicht an der Heizkurve, sondern an einem fehlenden hydraulischen Abgleich oder Luft im System. Bevor Sie an der Elektronik drehen, stellen Sie sicher, dass die Hardware (Ventile, Pumpen, Heizkörper) einwandfrei funktioniert.
Zudem neigen viele dazu, die "Nachtabsenkung" zu ignorieren. Auch diese sollte im Kontext der Heizkurve geprüft werden. Ein zu starkes Auskühlen in der Nacht erfordert morgens extrem viel Energie zum Aufheizen, was den Spareffekt zunichtemachen kann.
Durch Geduld und feine Justierung können Sie nicht nur den Wohnkomfort steigern, sondern auch Ihre Heizkosten um bis zu 15 % senken. Der Aufwand lohnt sich also.