Mikrobiell beeinflusste Korrosion (MIC) ist ein stiller, aber zerstörerischer Prozess, der in vielen modernen und älteren Anlagen abläuft. Oft wird angenommen, dass Korrosion ein rein chemischer Prozess durch Sauerstoff und Metall ist. Doch mikrobiologische Korrosion in Heizungssystemen spielt eine zunehmend kritische Rolle, insbesondere bei Niedertemperaturheizungen wie der Fußbodenheizung.
Was ist mikrobiologische Korrosion?
Bei der MIC besiedeln Mikroorganismen, wie Bakterien und Pilze, die inneren Oberflächen von Rohren und Wärmetauschern. Diese Organismen bilden einen sogenannten Biofilm. Unter diesem Schleimfilm verändern sich die chemischen Bedingungen drastisch, was das Metall angreift. Mikrobiologische Korrosion in Heizungssystemen führt oft zu Lochfraß, der innerhalb kürzester Zeit Leckagen verursachen kann, selbst bei korrosionsbeständigen Materialien.
Die Hauptverursacher: Bakterien im Heizwasser
Nicht alle Bakterien sind schädlich, aber bestimmte Gruppen fördern die Korrosion massiv:
- Sulfatreduzierende Bakterien (SRB): Diese sind besonders aggressiv. Sie wandeln Sulfat in Schwefelwasserstoff um, was nicht nur übel nach faulen Eiern riecht, sondern Metall extrem schnell zersetzt.
- Säurebildende Bakterien: Sie produzieren organische Säuren als Stoffwechselprodukt, die den pH-Wert lokal senken und das Metall anätzen.
- Eisenoxidierende Bakterien: Diese Organismen nutzen gelöstes Eisen und bilden voluminöse Ablagerungen (Verockerung), die Ventile verstopfen.
Ursachen für Bakterienwachstum
Warum tritt mikrobiologische Korrosion in Heizungssystemen überhaupt auf? Bakterien benötigen Wasser, Nährstoffe und meistens Sauerstoff (wobei manche auch anaerob leben).
- Niedrige Temperaturen: Fußbodenheizungen arbeiten oft in einem Temperaturbereich (30–40 °C), der ideal für Bakterienwachstum ist.
- Sauerstoffeintrag: Ältere Kunststoffrohre sind oft nicht diffusionsdicht. Sauerstoff diffundiert ins Wasser und füttert die aeroben Bakterien.
- Mangelnde Wartung: Wird das Heizungswasser nicht regelmäßig geprüft oder gespült, reichern sich Nährstoffe an.
Wichtig: Ein trübes oder schwarzes Heizungswasser ist oft das erste Anzeichen für massiven Bakterienbefall und Schlammbildung.
Folgen und Erkennungsmerkmale
Die Auswirkungen von mikrobiologische Korrosion in Heizungssystemen sind vielfältig und teuer. Typische Symptome sind:
- Verschlammung: Brauner oder schwarzer Schlamm setzt sich in den Heizkreisen ab.
- Kalte Stellen: Durch den reduzierten Durchfluss werden Räume nicht mehr warm.
- Gasbildung: Häufiges Entlüften ist nötig, wobei die austretende Luft oft faulig riecht (Schwefelwasserstoff).
- Pumpenausfälle: Die abrasiven Partikel im Biofilm zerstören die Lager von Hocheffizienzpumpen.
Bekämpfung und Vorbeugung
Um mikrobiologische Korrosion in Heizungssystemen zu stoppen, reicht ein einfacher Wasseraustausch oft nicht aus, da der Biofilm an den Rohrwandungen haften bleibt.
Professionelle Spülung
Eine gründliche mechanisch-chemische Spülung ist unumgänglich. Hierbei werden Biozide und Reiniger eingesetzt, um den Biofilm zu lösen und auszuspülen.
Wasseraufbereitung
Nach der Reinigung muss das Füllwasser gemäß VDI 2035 aufbereitet werden. Das bedeutet: Entsalzung und ggf. Zugabe von Inhibitoren, die den pH-Wert stabilisieren und erneutes Bakterienwachstum hemmen. Nur so lässt sich mikrobiologische Korrosion in Heizungssystemen langfristig verhindern.